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Ratgeber 20. Oktober 2026

Wildcampen in Bosnien: Regeln und Minen

Was über Wildcampen in Bosnien bekannt ist, welche Regeln im Nationalpark Una gelten und woran du Hinweise auf Minen erkennst. Sachlich, mit Quellen.

Stand: Oktober 2026. Regeln können sich ändern. Prüf vor der Abfahrt die Reisehinweise deines Außenministeriums.

Darfst du in Bosnien und Herzegowina frei stehen oder dein Zelt irgendwo aufstellen? Hier steht, was über die Regeln bekannt ist. Und warum du draußen auf genutzten Wegen bleibst. Alles Grundsätzliche zur Reise findest du in Camping in Bosnien: Tipps vor der Reise.

Was über Wildcampen bekannt ist

Ein Gesetz, das Wildcampen im ganzen Land regelt, haben wir nicht gefunden. Das gilt für die Föderation, die Republika Srpska und den Distrikt Brčko. Die Rechtslage ist für uns deshalb offen.

Der Schweizer TCS schreibt klar: „Wild campen ist grundsätzlich verboten.“ In Reiseblogs liest du oft, es werde geduldet. Ein Beleg ist das nicht.

Nationalpark Una: klare Regeln

Für den Nationalpark Una gibt es ein eigenes Gesetz von 2008. Es verbietet unter anderem:

  • Kraftfahrzeuge oder Wohnwagen außerhalb der dafür bestimmten Plätze abzustellen
  • Zelte außerhalb bestimmter Plätze aufzustellen
  • außerhalb bestimmter Plätze Feuer zu machen
  • Hunde außerhalb von Siedlungen ohne Leine laufen zu lassen

Ein Verstoß kostet Privatpersonen 20 bis 1.500 KM. Ob das Gesetz seit 2008 geändert wurde, haben wir nicht geprüft.

Für die Nationalparks Sutjeska und Kozara und für die Naturparks Blidinje und Hutovo blato haben wir keine belegten Campingregeln gefunden. Frag dort vor Ort nach, bevor du dein Zelt aufstellst.

Minen heute: Zahlen und Regionen

Bosnien und Herzegowina hat bis heute Flächen, auf denen Minen vermutet werden. Im Januar 2026 waren es 774,69 Quadratkilometer, also 1,51 Prozent der Landesfläche. Das steht im Entwurf des Minenräumplans 2026 des Minenaktionszentrums BHMAC (Stand Juli 2026). Auf der Webseite des BHMAC steht noch der ältere Stand von Januar 2025 mit 822,87 Quadratkilometern.

Von der Fläche im Januar 2026 liegen rund 624,5 Quadratkilometer in der Föderation und rund 150,2 in der Republika Srpska. In der Föderation verteilt sie sich so auf die Kantone (in Quadratkilometern):

Kanton Verdachtsfläche
Hercegovačko-neretvanski 120,673
Zeničko-dobojski 105,572
Srednjobosanski 94,359
Unsko-sanski 83,629
Kanton 10 58,244
Tuzlanski 57,749
Sarajevo 48,685
Bosansko-podrinjski 42,259
Posavski 13,336

Der Westherzegowinische Kanton fehlt in der Tabelle. Ob das heißt, dass es dort keine Verdachtsfläche gibt, geht aus dem Plan nicht hervor.

Seit 1996 zählt das BHMAC 1.782 Minenopfer. Laut dem Plan für 2026 schafft das Land die Räumfrist der Ottawa-Konvention im März 2027 nicht und beantragt 2026 eine weitere Verlängerung.

So erkennst du Gefahrenzonen

Minen und Blindgänger liegen vor allem abseits der Hauptstrecken. Laut österreichischem Außenministerium sind Minenfelder teils auch entlang von Durchzugsstraßen nicht geräumt. Das Auswärtige Amt schreibt, dass Erdrutsche nach Unwettern Minenfelder verschoben haben. Markierungen sind oft nicht mehr zu sehen.

Das Warnschild ist rot, mit Totenkopf und weißer Schrift „PAZI-MINE“ oder „MINE-ZABRANJEN PROLAZ“. Viele Flächen sind aber gar nicht markiert. Schilder wurden zerstört oder gestohlen.

Der Leitfaden des BHMAC nennt Orte, an denen Minen liegen können:

  • ehemalige Frontlinien
  • verlassene Häuser, Brunnen und Ruinen
  • Flussufer und Quellen
  • Ränder von Straßen, Bahnlinien, Stromleitungen, Tunneln und Brücken

Auch Munitionskisten und Krater sind Warnzeichen.

Verhaltensregeln draußen

Das Auswärtige Amt rät, befestigte Straßen nicht zu verlassen, auch in der Nähe von Sarajevo. Betritt keine Brachflächen und keine Ruinen. Das EDA nennt dazu ungemähte Wiesen und Hausruinen. Es rät, häufig genutzte Wege zu nehmen und Wanderungen nur mit lokaler Führung zu machen. Das BHMAC sagt es so: nur ausgetretene, genutzte Wege gehen und nie allein in unbekanntes Gelände.

Fürs Wandern empfiehlt das Auswärtige Amt außerdem markierte Wege. Hinterleg deine Route bei jemandem, nimm Wasser mit und sei vor der Dunkelheit zurück.

Stehst du plötzlich in einem Minenfeld: Bleib stehen, beweg dich nicht und ruf um Hilfe. Niemand soll zu dir hineingehen, um zu helfen.

Findest du etwas Verdächtiges, markier die Stelle und fass nichts an. Informier den Zivilschutz (Civilna zaštita) oder die Polizei.

Karte, App und Notrufnummern

Das BHMAC bietet die App „Mine Suspected Areas“ an. Der Leitfaden warnt aber: Nutz die App nicht zur Navigation am Rand von Verdachtsflächen. Minenkarten gibt das BHMAC auf Anfrage per E-Mail heraus, an info@bhmac.org. Auskunft gibt es auch über die Gemeinden. Das EDA verweist ebenfalls auf das BHMAC.

Diese Nummern nennt der Leitfaden des BHMAC:

  • Polizei: 122
  • Zivilschutz: 121
  • BHMAC: 033/253-800

Die 121 führt das österreichische Außenministerium als Bergrettung. Die Bergrettung GSS erreichst du laut Auswärtigem Amt unter +387 63 11 22 33. Feuerwehr ist 123, Rettung 124. Verlass dich nicht auf die 112: Laut dem Rechtsportal paragraf.ba war sie im September 2024 noch nicht eingeführt. Ob sich das seitdem geändert hat, ist nicht belegt.

Die Alternative: bei Gastgebern stehen

Wenn du nicht rätseln willst, ob du irgendwo stehen darfst, stell dich zu einem Gastgeber. Bei Gastgebern auf Camplix fragst du über uns an, auf Deutsch. Frag gleich mit, wo Zelt oder Wohnmobil stehen können. Plätze rund um den Nationalpark Una findest du unter Camping am Una-Nationalpark und in Bihać, alle Regionen hier. Reist dein Hund mit, lies auch Mit Hund nach Bosnien und zurück in die EU.

Quellen